Angelika Ramsperger
Senior - Bobath - Lehrtherapeutin
MA Kulturwissenschaft  

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Anhang zur Magisterarbeit

"Die Krankengymnastin im Spagat zwischen Berufung, Beruf und Dienstleistung"

AnhanG A 1 bis A 8   PAGEREF _Toc1372559 \h 111

Tabellen   PAGEREF _Toc1372568 \h 133

Tabelle 01 - Interview Ilse  PAGEREF _Toc1372569 \h 134

Tabelle 02 - Interview Klara  PAGEREF _Toc1372570 \h 139

Tabelle 03 - Interview Zilli PAGEREF _Toc1372571 \h 145

Tabelle 04 - Interview Gerti PAGEREF _Toc1372572 \h 151

Tabelle 05 - Interview Gisela  PAGEREF _Toc1372573 \h 157

Tabelle 06 - Interview Karin  PAGEREF _Toc1372574 \h 163

Tabelle 07 - Interview Gabriele  PAGEREF _Toc1372575 \h 171

Tabelle 08 - Interview Alice  PAGEREF _Toc1372576 \h 177

Tabelle 09 - Interview Cornelia  PAGEREF _Toc1372577 \h 182

Tabelle 10 - Interview Tina  PAGEREF _Toc1372578 \h 185

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Anhang

Die Anhänge A1 bis A8 sind Teil der Akte 4,15 - III.G. des Staatsarchivs Bremen.

A1     Taxe für ärztliche „Gehülfen

Dies ist LXII. Verordnung des Senats von Bremen, betreffend die Gebührentaxe für ärztliche Gehülfen.

Vom 21. November 1900

A1-1
A1-2

A2     Vorgang zur Ausübung der Heilkunst

Diese Anlage enthält zwei Schriften zu dem genannten Vorgang, der zwischen Frau Brendel, dem Medizinalamt und der Polizei-Direktion abläuft.

Im Schriftstück vom 11.1.1903 weisen die Brendels darauf hin, dass sie beide seit 1888 Massagen und Abreibungen stets nach Anweisungen von
Medizinalpersonen vornehmen.

Im Schriftstück vom 25.3.1903 werden dazu Präzisierungen vorgenommen.

A2-1

A2-2

A3     Bestätigung der Bekanntgabe der Verordnung

Am 9.4.1915 wurde Fräulein Basse mit der Verordnung
des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps
betreffend das Massieren bekannt gemacht. Insbesondere wurde sie darauf hingewiesen, dass Frauen das Massieren nur mit schriftlicher Genehmigung der Polizeibehörde gestattet ist.

A3-1

A4     Bekanntgabe der Verordnung

Frau Berning wurde am 3.9.1915 durch das Medizinalamt mit einem von ihr ausgefüllten Formular mit der Verordnung vom 23. Dezember 1902 betreffend die Ausübung der Heilkunst durch nicht approbierte Personen pp. bekannt gemacht.

A4-1

A5     Verwarnung auf Grund der Verordnung

Herr Klengel wird am 21.4.1920 auf Grund der Verordnung vom 23. Dezember 1902, Ges. Bl. S. 222 verwarnt, Heilverfahren öffentlich anzuzeigen und dabei täuschende Angaben zu machen. Dies bezieht sich auf elektro-galvanische Heilgeräte.

A5-1

A5-2

A6     Aussage zu einer Kurpfuscherei

Am 21.6.1920 schickt das Medizinalamt der Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme. Diese ist Teil eines Prozesses, in dem es geht um Unterschiede zwischen Behandeln und Heilen, zwischen Hypnose und Suggestion und zwischen Medizinalamt und Polizeidistrikt.

Außerdem wird festgestellt, dass Kurpfuscher nur unter ihrem
wahrheitsgemäßen Namen behandeln dürfen.

A6-1

A6-2

A6-3

A7     Annonce zur Rückgrats-Verkrümmung

In einer Annonce preist der in Schweden approbirte Specialist für Schwed. Heilgymnastik u. Massage, Director Ulrich, seine „Schwedische Bewegungskur“ an. Insbesondere weist er darauf hin, nur seine Methode könne leicht heilen resp. Körpermißbildungen verhindern.

Diese Annonce wurde im Medizinalamt mit kritischen Anmerkungen versehen.

A7-1

A8     Auskunftsersuchen

Der Landesverband Bremen des Verbandes der Ärzte Deutschlands, Abtl. Kurpfuschereibekämpfung, reagiert 17.1.1927 prompt auf eine Annonce des Kur-Inhalatoriums Am Dobben 6 in den Bremer Nachrichten vom 16.1.1927.

Der Verband begehrt zu wissen, welcher Arzt eine kostenlose Beratung vornimmt.

A8-1

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Tabellen

Der folgende Teil des Anhangs beinhaltet die zehn Auswertungstabellen.

Tabelle 01 - Interview Ilse

1. Interview der Krankengymnastin Frau Sch. ältere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 81 Jahre; Mittlere Reife; Eltern standen der Reformbewegung nahe; Vater war Bauingenieur, hat später mit der Mutter zusammen ein Reformhaus geführt

·     Ausbildung als Diakonisse, Krankenschwester beim Evangelischen Diakonieverein in Berlin

·     1941-1943 Besuch der Krankengymnastikschule in Freiburg

·     alleinstehend, keine Kinder

·     war bis zum 65. Lebensjahr berufstätig

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     die ganze Familie war sehr sportlich, man ging zusammen wandern

·     in der Schule gab es jeden Tag Sportunterricht; dies wurde im dritten Reich sehr gefördert, wer im Sportunterricht nicht gut war, der galt in der Klasse nicht

·     spielte gerne Völkerball und Faustball

·     mochte gerne Leichtathletik

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     in einer befreundeten Familie gab es eine junge Frau, die Krankengymnastin war und eine besondere Ausstrahlung hatte

·     Bewegung entsprach dem eigenen Naturell

·     ihre körperliche Statur entsprach nicht dem Idealbild einer Krankengymnastin (sie bezeichnet sich als klein und gedrungen)

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     die Mutter hat ihr die Erlaubnis gegeben, auf die Krankengymnastikschule zu gehen

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     Es gab damals insgesamt sieben Schulen. In Freiburg war die einzige Schule, die die Behandlung interner Erkrankungen im Vordergrund hatte (Schulgründung 1926 durch Kohlrausch und Teirich-Leube)).

·     Alle anderen Krankengymnastikschulen waren orthopädisch-chirurgisch orientiert bzw. an ein Krüppelheim angegliedert.

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Die Schule wurde 1926 gegründet, noch mit der Berufsbezeichnung Heilgymnastin.

·     im Unterschied zu allen anderen Schulen, die orthopädisch ausgerichtet waren, waren Schwerpunkte die Innere Medizin, die Balneologie, die Psychiatrie und die Frauenheilkunde; das bedeutete, dass andere krankengymnastische Techniken vermittelt wurden

·     an der Schule waren gute, menschliche, experimentierfreudige Lehrer

·     es wurde Respekt vor dem Anfassen gelehrt

·     war eine sehr gute Ausbildung

·     besonders gute Massageausbildung

·     der psychiatrische Bereich war von besonderem Interesse

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     Von 1943-1945 musste sie auf Grund der Kriegssituation wieder als Krankenschwester arbeiten.

·     arbeitete anschließend als Lehrkraft an der Krankengymnastikschule in Freiburg

·     Die Leitung der Schule übernahm die Krankengymnastin Frau Teirich-Leube, die nachträglich Medizin studierte, um auch die ärztliche Leitung übernehmen zu können ( Sie schrieb ihre Doktorarbeit auch über die Bindegewebsmassage).

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     Massageunterricht, Berufskundeunterricht an der Schule

·     praktische Tätigkeit in der allgemeinen Ambulanz, hauptsächlich bei inneren Erkrankungen (Gefäßerkrankungen, Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, der Leber und Galle, Migräne, in der Frauenheilkunde)

·     Bindegewebsmassage, Atemtherapie

·     bekam bezahlte Fortbildungen, so Gymnastik-Unterricht an der Medauschule, Atemtherapie, Gerda Alexander Technik

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     war an der Krankengymnastikschule von 1945 bis 1975 tätig

·     anschließend Aufbau einer Einrichtung für geriatrische Rehabilitation in Hamburg

·     Unterrichtstätigkeit an der Massageschule

·     hat sehr viele verschiedene Fortbildungsveranstaltungen besucht

·     leitet bis heute Fortbildungsveranstaltungen

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     hat mit allen Patienten und deren Krankheitsbildern gearbeitet

·     man muss in allen Behandlungen Mut beweisen

·     man weiß, wenn man richtig arbeitet

·     Das Geheimnis der Therapieerfolge ist viel Wissen, Erfahrung und Mut, um einen Durchbruch zu erzielen, die Krise zu begleiten.

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     hat sehr gerne unterrichtet

·     Schwerpunkt blieb die Bindegewebsmassage sowohl bei der Unterrichtstätigkeit als auch bei den Behandlungen

·     gute Behandlung bedeutet, Patienten durch eine Krise zu begleiten

·     dass die Schülerinnen das Fühlen erlernen, lag ihr besonders am Herzen

·     das eigene Körpergefühl hat ihr sehr bei ihrer Arbeit geholfen

·     findet das Körpergefühl, dass durch die Eutonie entwickelt wird, für die eigene Gesundheitsbewahrung aber auch therapeutisch sehr wertvoll

·     war froh, dass in der Nachkriegszeit die Arbeit mit den Zandergeräten (med. Trainingsgeräten) überwunden schien, ist erstaunt über die Wiederkehr der Geräte

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     die Begleitung der Patienten mit der Bindegewebsmassage

·     die Hände sind vorgeschobene Gehirnwindungen

·     Bei der Massage muss man auf die Technik großen Wert legen; man muss dabei auch an die eigene Arbeitsökonomie denken; man muss sich arbeitsfähig erhalten.

·     der Patient muss bei der Behandlung wie in Abrahams Schoss liegen

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     hat sehr gut mit Ärzten und Kollegen zusammengearbeitet

·     hat viel Anerkennung und Wertschätzung in ihrer Arbeit erfahren

·     hatte finanziell immer ihr Auskommen, da sie sehr gut privat dazu verdienen konnte

·     ist noch immer Mitglied im Zentralverband Krankengymnastik

·     hat sich nicht gerne mit Berufspolitik befasst

·     in der Krankengymnastik wurde die Bindegewebsmassage an den Rand gedrängt, nicht Wert geschätzt

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     hat pro Behandlung im Grunde eine Stunde gebraucht und sich auch diese Zeit genommen; das wurde nicht honoriert, war aber für die Zufriedenheit bei der Arbeit wesentlich

·     wichtig ist es, auf die eigene Haltung zu achten

·     man muss die richtigen Behandlungstechniken und Ausgangspositionen vermitteln und mit diesen auch arbeiten, um arbeitsfähig zu bleiben; den eigenen aktiven Halteapparat aktivieren, nicht nur im passiven Halteapparat hängen z. B. Strichtechnik bei der Bindegewebsmassage

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     hatte ihr Auskommen, braucht nicht mehr als das

·     als Alleinstehende war sie finanziell und zeitlich unabhängig

·     konnte finanzielle Engpässe mit Kursen / Gruppen überbrücken

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     war gerne Krankengymnastin, hat ihrem Naturell und ihrem Element entsprochen

·     ist gerne viel in Bewegung, hat gerne Kontakt zu Menschen

·     der Beruf hat sie ausgefüllt, erfüllt

·     es gibt keine bessere Arbeit

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     Die Patienten werden heute durch die Krankenkassen mehr reglementiert und entmündigt als früher.

·     Die Kolleginnen in den Praxen stehen vor großen Schwierigkeiten; die zeitlichen Vorgaben für die Therapieeinheiten sind zu kurz.

·     Wenige Kolleginnen pfeifen auf die Vorgaben der Krankenkassen und machen ihr eigenes Ding (behandeln unvergütet länger).

·     Das Prinzip der heutigen medizinischen Trainingsgeräte stellt eine Wiederholung dar, auch die Zanderapparate Anfang des 20. Jahrhunderts beruhten auf dem Prinzip Mobilisation und Kraft

·     findet das heutige Auseinanderdividieren von Bewegungstherapie und Massage kontraproduktiv

·     die Forderung nach Ganzheitlichkeit, die die Medizin vertritt, wird von den Medizinern selbst nicht ernstgenommen, sie steht nur auf dem Papier

·     unsere jetzige dreijährige Krankengymnastikausbildung sollten wir Krankengymnastinnen mit unserer eigenen Kreativität gestalten

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Krankengymnastik ist ein Beruf für Männer und Frauen

·     Bei unserer Arbeit wird der ganze Mensch gefordert; wir sind mit unseren Körpern, mit unseren Gefühlen, mit unserer Fähigkeit, sich Menschen zuzuwenden, mit unserem Einfühlungsvermögen im Einsatz.

·     Voraussetzungen (Gaben) : ein gutes Körpergefühl (eine Körperlogik); Aufgeschlossenheit, die Gabe, Beziehungen zu gestalten; die Bereitschaft zur Sensibilität und dazu die Bereitschaft, sich ausbilden zu lassen

·     eine Schule suchen, die eine vorzügliche Ausbildung gewährleistet

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     Die Krankengymnastikschule in Freiburg war der Universität angegliedert.

·     Die Spannung in der Zusammenarbeit zwischen den Medizinern und den Krankengymnastinnen begleitete sie ihr ganzes Berufsleben; den meisten Medizinern ist das funktionelle Denken fremd geblieben (Funktionelle Anatomie)

·     die Ausbildungsordnung müsste neu gestaltet werden

·     Die Basis der Ausbildung sollte die Sensibilisierung für sich, das Sein und für den Anderen bilden

·     Die Ausbildung von Masseuren und Krankengymnastinnen sollte zu einem Berufsbild zusammengefasst werden.

·     bei der Ausbildung wurde ihnen ein „wahnsinniger Respekt“ zum Thema Anfassen vermittelt; den richtigen Griff zu bekommen, ist eine Frage der persönlichen Entwicklung

·     Es gibt wunderbar viele Therapiemethoden, jedoch soll keine versuchen, andere zu überragen: „Kinder, ihr macht das gut, aber das gehört in das Niveau.“

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Tabelle 02 - Interview Klara

2. Interview der Krankengymnastin Frau Kr. ältere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 71 Jahre; Mittlere Reife; Mutter zog nach dem frühen Tod des Vaters (1942) die vier Kinder alleine groß

·     Krankengymnastikausbildung an der Universitätsklinik in Rostock von 1949-1951

·     Familienstand: ledig, keine Kinder

·     lebte als Berufstätige zeitweise mit Mutter und Geschwistern zusammen

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     hatte großen Spaß am Sport, hat gerne draußen auf dem Land (auf dem Gut bei einer Freundin) gespielt

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     eine Nachbarin erzählte positiv von der Krankengymnastikschule in Rostock

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     wollte gerne eine Berufstätigkeit in Zusammenhang mit Sport machen

·     suchte nach einer Tätigkeit, die sowohl mit Gesunden als auch mit Kranken ausgeführt werden kann

·     überlegte auch die Notwendigkeit, bei möglicherweise eigener Erkrankung einen Beruf ausführen zu können (das schloss Sportlehrerin aus)

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     die Krankengymnastikschule war in der Nähe ihres Wohnortes, sie konnte Fahrschülerin sein

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     in der Ausbildung wurde viel Wert auf Sport und Gymnastik gelegt

·     fühlte sich in allen fachlichen Disziplinen gut ausgebildet

·     Schwerpunkte waren Chirurgie und Orthopädie

·     als Krankengymnastikschülerinnen haben sie von Anfang an ärztliche Visiten begleitet

·     Schulzeit hat viel Spaß gemacht, die Schülerinnen haben viel zusammen unternommen

·     auf Disziplin wurde sehr viel Wert gelegt ( „sie wurden sehr schikaniert“; der ärztliche Leiter der Schule war schon seit 1936 Militärarzt bei den Nazis gewesen)

·     das Staatsexamen war sehr schwierig gewesen

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     ab 1952 - 1953 Tätigkeit in der Poliklinik in Neustrelitz, hauptsächlich chirurgische und interne Krankheitsbilder

·     diese Zeit war sehr von der Politik der DDR geprägt, sie mussten politische Arbeitskreise besuchen

·     krankengymnastische Arbeit mit Insassen eines Jugendstraflagers und einer Haftanstalt der russischen Besatzungsarmee

·     1953 Flucht nach Westdeutschland

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     hat sich dafür eingesetzt, dass auch Häftlinge krankengymnastisch behandelt wurden

·     die Balance zwischen Politik und fachlicher Arbeit war schwierig

·     sie konnte sich die Arbeit nicht aussuchen, wurde eingeteilt

·     es gab eine gute Zusammenarbeit mit Kollegen, man verbrachte auch eine Teil der Freizeit zusammen

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     nach der Flucht, von 1953-1956 Arbeit in einer Kinderklinik, auf einer ausgelagerten Infektionsstation bei Stuttgart

·     Schwerpunkte: Neurologie, Infektionserkrankungen z. B. Poliomyelitis, Tuberkulose

·     Arbeit im Bewegungsbad, mit Bindegewebstechniken, Techniken der allgemeinen Krankengymnastik

·     war eine sehr schwere und schlecht bezahlte Arbeit, BATVIII ( sie aß vor Hunger das übriggebliebene Essen der Patienten)

·     eigene Praxis von 1957-1965, lebte wieder mit der Mutter und den Geschwistern zusammen

·     Schwerpunkte: allgemeine Medizin, orthopädisches Turnen, Skoliosenbehandlungen, Ischias- und Migräne Behandlungen

·     hat sehr viel gearbeitet, die kaufmännische Seite war sehr schwierig, hat deshalb die Praxis aufgegeben

·     1965-1967 Arbeit in Schweden, in einer chirurgischen Ambulanz

·     1967-1990 leitende Krankengymnastin in einem großen Bremer Krankenhaus, stieg zu BAT IV auf

·     hat im Laufe ihres Arbeitslebens diverse Zusatzqualifikationen erworben

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     die fachliche Arbeit wurde an den äußeren Vorgaben ausgerichtet

·     Tätigkeitsfelder: Ambulanz, interne Stationen, Frauenheilkunde, Intensivmedizin, Gruppentherapien, aktive Teilnahme an den ärztlichen Visiten

·     ist als leitende Krankengymnastin häufig für erkranke Kollegen auf deren Stationen eingesprungen

·     konnte sich teilweise ihre Behandlungszeiten frei einteilen, das war für die Qualität ihrer Behandlung von großer Bedeutung

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     hat immer mit großem körperlichen Einsatz gearbeitet

·     fand die großzügigeren Zeiteinheiten bei der Arbeit in der Klinik sehr gut, es gab ihr die Möglichkeit, mehr auf die Patienten einzugehen

·     die Arbeit mit den Patienten war sehr schön

·     Patienten haben immer ihre warmen Hände gelobt, sie hat sie auch sehr gerne angefasst

·     hat auch todkranke Patienten gerne begleitet

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     in ihrer leitenden Tätigkeit stellte sie fest, dass eine gute Grundausbildung und die Kenntnis der verschieden Techniken wichtige Voraussetzung guter fachlicher Arbeit ist

·     die Kollegen eignen sich unterschiedlich für die verschiedenen medizinischen Disziplinen, die Führung der Kollegen machte sie sehr gerne

·     hatte sehr gerne die Leitung der Krankengymnastikabteilung

·     wichtig war der Kontakt zu den Menschen, auch zum anderen Personal, es war wie eine große Familie, hat zeitweise auf dem Klinikgelände gewohnt

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     teilweise war die Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Pflegepersonal sehr gut

·     gute Zusammenarbeit war immer von der Einstellung des Chefarztes zur Krankengymnastik abhängig, zeitweise waren sie die rechte Hand des Chefs

·     konnte sich die Krankengymnastikabteilung nach ihren Vorstellungen einrichten und organisieren

·     wichtig war in der Abteilung, an einem Strang zu ziehen; man traf sich auch privat, feierte zusammen

·     war lange Zeit im Personalrat

·     hat über ihre Gewerkschaftsarbeit Vorteile für die Krankengymnastikabteilung bewirken können

·     das frühere hohe Ansehen ist „den Bach runter“ gegangen

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     enorme körperliche und psychische Belastungen, sie „haben geschuftet wie die Verrückten“

·     früher haben alle Vollzeit gearbeitet; man wusste, die Kollegen sind da, da konnte man auch mal großzügig sein und frei geben

·     am Schluss mit den Halbtagskräften, da wusste man nicht mehr, wer ist zu welchen Zeiten da war, das hat keinen Spaß mehr gemacht

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     der Beruf war ihre Familie

·     in den Fotoalben sind sehr viele Fotos von Betriebsfesten

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     immer wieder

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     es ist sehr schade, dass heute beim Beruf der Krankengymnastin das Persönliche wegfällt

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     gleichmäßige Psyche, Geduld, keine Cholerikerin

·     sollte gelernt haben, Schwierigkeiten zu sortieren, auflösen oder ertragen können

·     körperlich in einem guten Zustand sein, ist für die manuelle Arbeit unbedingt nötig

·     Interesse an Sport und an Menschen haben

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     wollte einen Beruf für ihr ganzes Leben haben

·     wollte nie Kinder haben; der Beruf ersetzte die ganze Familie

·     das Ansehen der Krankengymnastikabteilung in der Klinik stand in direktem Verhältnis zur Meinung des Chefarztes über die Krankengymnastik

·     die Arbeit im Personalrat diente dazu, Informationen über das Klinikgeschehen zu erhalten und damit der Krankengymnastikabteilung nützlich zu sein

·     wagte sich an Arbeiten heran, von denen sich nicht im Vorhinein wusste, ob sie ihr gelingen würden

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Tabelle 03 - Interview Zilli

3. Interview der Krankengymnastin Frau Z , ältere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 86 Jahre, alleinstehend, keine Kinder

·     nach der mittleren Reife Arbeit als Kindergärtnerin

·     Besuch der Krankengymnastikschule in Arnstadt / Thüringen von 1943 -1945

·     Schwerpunkt Orthopädie

·     Leitung der Schule Dr. Frosch

·     war bis zum 65. Lebensjahr berufstätig

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     Besuch eines Sportvereins vom 5. Lebensjahr an

·     hat sich sehr für Tanz, Theater und Gymnastik interessiert

·     Eltern standen der Reformbewegung nahe, besuchte mit dem Vater die Licht- und Luftbäder in Bremen

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     eine Freundin informierte über den Beruf, damalige Bezeichnung war Heilgymnastik

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     war sehr an Bewegungsarbeit interessiert

·     wollte gerne mit Menschen zu tun haben

·     wusste schon mit 10 Jahren, dass sie entweder „Gymnastik privat aufmachen würde oder eine Hausfrau mit drei Kindern würde“

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     Wahl fiel auf Arnstadt, da vermutet wurde, dass diese Stadt sicher vor Bomben sei

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Erinnerungen an Vorlesungen im Bereich der Orthopädie, der Anatomie und der Physiologie

·     Unterricht in Techniken der Massage, Frühsport und Gymnastik

·     Sportabzeichen wurde gefordert, sonst bekam man eine Note abgezogen; hat abends oft an Geräten geturnt

·     Einsatz im OP und Arbeit im Krüppelheim

·     Erzählungen über die Kriegssituation überwiegen

·     Staatsexamen fand während eines Tieffliegerangriffs statt

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     kam nach 1945 zurück nach Bremen

·     zunächst unbezahlte Arbeit in einem großen Krankenhaus, dort konnte in der Küche gegessen werden

·     Arbeitsschwerpunkte: Kinderklinik, Innere Medizin und Station für Naturheilkunde

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     hat mit sehr schwererkrankten Patienten gearbeitet, z. B. Patienten mit allgemeiner Sepsis, Gelenkrheumatismus, Poliopatienten, Kinder mit Schussverletzungen, Patienten mit Schlaganfällen

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     zunächst eine Arbeitsstelle in einem großen Krankenhaus

·     Arbeitsschwerpunkte Naturheilkunde und Innere Medizin

·     ab 1951 eigene Praxis

·     Arbeitsschwerpunkte Allgemein Medizin und Innere Medizin

·     Hat ca. 50 oder 60 Fortbildungen gemacht, nicht nur im Rahmen des ZVK:

ú       bei Frau Teirich-Leube und Frau Dicke: Bindegewebsmassage und Hockergymnastik

ú       PNF, Bobath (neurologische Behandlungsmethoden)

ú       bei Frau Ehrenberg (Atemtherapie)

ú       bei einem Bewegungstherapeuten der viel mit Artisten arbeitete

ú       bei Ada Kuhne: Entspannungsmaßnahmen als Grundlage krankengymnastischer Behandlungen; Ausgleichsgymnastik für Krankengymnastinnen mit all ihren Möglichkeiten; Eigene Haltung zur Bewegungskorrektur; Überprüfung und Korrektur der Alltagsbewegung (1973)

ú       bei Klara von der Malzburg: Haltungserziehung und Verbesserung der Bewegung unter besonderer Berücksichtigung der physiologischen Gleichgewichtsregulation (1962)

·     Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft zu Bekämpfung des Krüppeltums (1957)

·     Arbeit mit dem Schlingentisch

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     bevorzugt mit Patienten gearbeitet, die in ihrem Bewegungsverhalten nicht so beeinträchtigt waren

·     gerne in der Kombination Bindegewebsmassage und Bewegungstherapie gearbeitet, hat damit sehr gute Erfolge erzielt, die auch von Seiten der Ärzte anerkannt wurden

·     gute Erfolge mit Atemtherapie bei Asthmakindern

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     fand es reizvoll, verschiedene therapeutische Methoden kennenzulernen und anzuwenden

·     die umfassende Bewegungsarbeit nach Ada Kuhne bildete den Schwerpunkt bei ihrer Arbeit

·     weniger gerne Anwendungen mechanistische Techniken z. B. Stemmübungen nach Brunkow

·     Massage ist die wichtigste Technik, um Muskulatur kennen zulernen

·     Atemtherapie ist äußerst wirkungsvoll

·     parallel zu ihrer Arbeit sorgt sie immer für ausreichend eigene Bewegungen, auch dafür machte sie Fortbildungen

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     zu sehen, dass die Arbeit den Patienten gut getan hat

·     die Bewegungsfähigkeit der Patienten verbessern

·     Patienten zum Tanzen bringen

·     die eigene Beweglichkeit mit einbringen

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     war 1949 bei der Gründung des Zentralverbandes Krankengymnastik mit dabei

·     hat 35 Jahre lang die Kasse des Bremer Landesverbandes geführt, anfangs mit 29 Mitgliedern, Büro war in den eigenen Wohnräumen

·     zuerst wurde der Beitrag für Fortbildungen ausgegeben, erst später musste er an den Landesverband abgegeben werden

·     von Anfang an legte der Zentralverband fest, welche Fortbildungen anerkannt und gefördert wurden

·     die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen war sehr freundschaftlich; machten zusammen Gymnastik, Fortbildungen, hatten viel Spaß an der Arbeit

·     nach den fünfziger Jahren war die Arbeit in der Naturheilkunde nicht mehr so anerkannt

·     die krankengymnastische Arbeit wurde immer umfangreicher

·     es gab einige Ärzte, die ihre Arbeit sehr schätzten, die nicht auf krankengymnastische Arbeit verzichten mochten

·     sie kannte fünf krankengymnastische Kolleginnen, die Töchter von Ärzten waren

·     einige Kolleginnen kamen über ihre Erfahrungen mit dem Ausdruckstanz zur Krankengymnastik

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     die seelischen Belastungen im Beruf waren sehr groß, weniger belastend war die viele Arbeit

·     fand es sehr wichtig, ausreichend Zeit für ihre Patienten zu haben, sonst wäre die Arbeit schwer gewesen

·     körperlich war es manchmal schwierig, die Patienten mussten oft getragen werden

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     hatte Zeit, sich der Verbandsarbeit zu widmen, da sie keine Hausarbeit machen musste

·     lebte mit Mutter und berufstätiger Schwester im demselben Haushalt

·     brauchte nicht so viel zu verdienen, da sie keine Miete zahlen musste

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     ja, es war ein sehr schöner Beruf, es war eine schöne Zeit

·     man konnte immer etwas Neues lernen

·     hatte nie das Bedürfnis, im Beruf weiter aufzusteigen

·     war zufrieden mit dem Ansehen im Beruf

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     kann die heutige Berufssituation nicht einschätzen

·     der Begriff Physiotherapeutin ist umfassender als der Begriff Krankengymnastin, dies bedeutet eine Steigerung des Ansehens des Berufes

·     Veränderung der krankengymnastischen Techniken weg von Massage und individuellen Behandlungstechniken bedeutet eine Verschlechterung in der Qualität der Arbeit

·     Zeit ist ein wesentlicher Faktor für gute und erfolgreiche Arbeit

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Nächstenliebe

·     man darf den Beruf nicht einfach als Geldverdienst betrachten

·     Liebe zur Gymnastik

·     Ausdauer

·     körperlich fit sein

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     im Alter von zehn Jahren stand für sie fest, sie würde entweder „Gymnastik privat aufmachen“ oder Hausfrau mit drei Kindern werden“

·     hat sich immer viel Zeit für ihre Patienten genommen, war auf das Geldverdienen nicht so angewiesen

·     es war nicht schwierig, eine Zulassung zu bekommen, man musste nur ein Gewerbe anmelden

·     war 1949 bei der Gründung des Zentralverbandes dabei, „war ein Hickhack gewesen“

·     im Laufe ihrer Berufstätigkeit stieg das Ansehen für den Beruf der Krankengymnastin allgemein

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Tabelle 04 - Interview Gerti

4. Interview der Krankengymnastin Frau G. K. (ältere Generation)

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 78 Jahre, Prima-Reife (mittlere Reife)

·     Vater Kapitän

·     nach einem Pflichtjahr Besuch der Krankengymnastikschule in Kiel

·     Schulbesuch von 1942-1944

·     verheiratet, drei Kinder

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     alle Bewegungsspiele auf der Straße, Ballspiele, Hüpfspiele, Reifenspiele

·     Leichtathletik

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     es war eine sehr sportliche Ausbildung

·     Kombination Sport und Medizin gefiel ihr

·     primär war die Vorstellung, es ist eine Ausbildung, bei der man etwas erleben kann, die Welt sehen kann z. B. durch Arbeit auf einem Ozeanschiff

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     war sehr sportbegeistert gewesen, aber Sport alleine hatte ihr nicht genügt

·     über Erzählungen einer jungen Frau

·     Mutter hat den Berufswunsch unterstützt

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     Mutter erkundigte sich nach den Aufnahmebedingungen der Schule in Kiel

·     war im Norden die einzige Schule,

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Schule hatte rein orthopädisch-chirurgische Ausrichtung

·     das erste Jahr fast ausschließlich Sport, Leichtathletik, Ballspiele, Tennis, Rudern, gymnastische Übungen mit Reifen und Ball

·     Arbeit im Zandersaal

·     Anatomieunterricht

·     nationalsozialistischer Unterricht

·     praktischer Unterricht auf den Stationen, im OP Notdienste

·     Arbeit mit Kriegsverletzten, Verschütteten, Unfallopfern

·     hat gerne mit Kindern gearbeitet, die orthopädisch-chirurgische Diagnosen hatten, auch im Zandersaal

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     wurde nach der zweijährigen Ausbildung vom „Militär erfasst“, konnte sich einen „Wehrkreis“ aussuchen, und ist dann von Danzig aus nach Thorn ins Lazarett gekommen

·     hat Soldaten und Zivilisten in der Ambulanz behandelt mit Kriegsverletzungen, Nachbehandlungen nach Amputationen, Frakturen

·     Techniken aus der Chirurgie und Orthopädie, Elektrotherapie, Wärmeanwendungen

·     1944 / 45 große Flucht aus Thorn, wer laufen konnte, sollte sich zum Bahnhof begeben, die anderen wurden zurückgelassen; sie selber kam mit einem Bus nach Berlin und hat sich sofort wieder zur Verfügung gestellt

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     die nächste Arbeit war in einem Sonderlazarett für Hirnverletzte in Niendorf an der Ostsee

·     Arbeit mit den Verschütteten, mit Blinden war sehr schwierig, sie waren teilweise völlig irritiert

·     es war nicht ausreichend, Gelenke zu mobilisieren, man musste lernen, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen ( Psychologie war gefragt)

·     die Zeiteinheiten, mit denen man pro Patient arbeitete, wurden von den Ärzten sehr willkürlich eingeteilt, dagegen konnte man sich als Krankengymnastin nicht verwehren

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     1945 wurden die Lazarette dem zivilen Sektor übergeben, Rückkehr nach Bremen

·     Beginn der Arbeitsaufnahme in einer Kinderklinik

·     Berufstätigkeit: 1945-1988 in der Kinderklinik

·     Schwerpunkte waren:

ú       Orthopädische und chirurgische Fälle, z. B. Hüftgelenksluxationen, Frakturen, Unfallkinder,

ú       Analatresien,

ú       Behandlung von Kindern während und nach der ersten schweren Poliomyelitisepidemie (1948)

ú       Atemtherapie

ú       Säuglingsbehandlungen, anfangs nach Neumann-Neurode

·     Fort- und Weiterbildungen:

ú       Zwischen 1945 bis 1965 gab es interne Fortbildungen; für Externe war es schwierig, es war die Nachkriegszeit, die Aufbauzeit; die Krankengymnastinnen der Klinik haben zusammen zum Ausgleich Gymnastik gemacht

ú       Klinikinterne Fortbildungen, z. B. in der Internen Medizin die Arbeit nach Kohlrausch, gemeinsame Gymnastik mit den Kolleginnen

ú       Bindegewebsmassage (Teirich-Leube)

ú       1959 Bobath-Therapie im Zentrum in London

ú       Teilweise Voijta-Therapie

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     die Arbeit mit den Poliomyelitis Kindern

·     ab den sechziger Jahren wurde die Säuglingsbehandlung intensiviert, die Behandlung der zerebral paretischen Kinder, der Spina bifida Kinder,

·     besonders beeindruckend war die Bindegewebsmassage, die Möglichkeit reflektorisch über die Haut auf innere Organe einzuwirken, z. B. bei den Asthmakindern

·     distanziert sich von den Auffassungen der „Therapie-Erfinder und -Erfinderinnen“, die jeweils speziellen Therapien seien für die gesamten Krankheitsbilder wirksam

·     hat bei vielen spastischen Kindern erlebt, dass orthopädische Operationen sich langfristig ungünstig ausgewirkt haben

·     die Arbeit mit den Säuglingen und den frühgeborenen Kindern

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     über den Zugang zu den Kindern die Bereitschaft zur Zusammenarbeit fördern

·     die Veränderung des Arbeitsstils von „ Achtung fertig los! Beugen! Strecken! Zack und Zack! Auf und nieder! Hoch! Komm!“ zu einer einfühlenden „ganzheitlichen“ Arbeit

·     die zackige Arbeit nach Neumann-Neurode z. B. schloss das Denken aus

·     gelernt, dass Hautkontakt ein elementares Bedürfnis der Kinder darstellt - Hautnähe

·     bei den beeinträchtigten Kindern sollten schwerpunktmäßig die Fähigkeiten gefördert werden (z. B. viele Spastiker können wunderbar mit dem Kopf arbeiten)

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     die langfristige Arbeit mit den schwer erkrankten oder behinderten Kindern

·     ein inniges, persönliches Verhältnis zu den Kindern aufzubauen

·     die Zusammenarbeit mit den Eltern, vorwiegend den Müttern

·     der Zusammenhalt in der Klinik

 C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     hat sich für die Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegepersonal eingesetzt

·     fand es wichtig, dass die krankengymnastische Therapie in den Klinikalltag übertragen wurde , z. B. bei Lagerungen

·     hat Wertschätzung in ihrer krankengymnastischen Arbeit erfahren

·     die organisatorische Arbeit hat sich vor allem im Bereich fachlicher Zusammenarbeit im Klinkalltag bewegt

·     die Zeit für eine Mitarbeit im Landesverband Krankengymnastik konnte nicht aufgewendet werden

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     der Druck von Seiten der Ärzte war groß, z. B. bei Behandlung von Gelenken, die Forderung, möglichst schnell eine optimale Gelenkstellung zu erzielen, führte häufig zu Entzündungserscheinungen bei den Patienten

·     wenn Kinder in eine unglückliche häusliche Umgebung entlassen wurden, und sie bald wieder mit den gleichen Symptomen, z.B. Asthma in die Klinik kamen

·     es war eine Sisyphusarbeit, immer wieder neue junge Ärzte und Krankenschwestern auszubilden

·     entgegen der eigenen Überzeugungen gezwungenermaßen eine strengere Therapie auszuführen

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     es war nicht immer einfach

·     Berufstätigkeit, Familie und Verbandsarbeit schlossen sich aus

·     es war schwierig, die zusätzliche Zeit für Fortbildungen aufzubringen

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     ja, es war ein wunderschöner Beruf

·     hat über ihre Arbeit viel Anerkennung erfahren

·     fand die intensive Arbeit mit den Patienten sehr befriedigend

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     früher war die Krankengymnastik in der Klinik sehr wichtig, heute kommen wieder verstärkt Geräte zum Einsatz

·     das Ansehen von Krankengymnastinnen ist im Schwinden begriffen

·     Geräte ersetzen die Arbeit von Krankengymnastinnen

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     die Liebe zum Menschen

·     fachliche Kompetenz erwerben

·     die Fähigkeit, Verständnis für die Menschen aufzubringen

·     Interesse für das „Innere“ der Menschen haben

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     hat sich die fachliche Wertschätzung und ein Profil als Krankengymnastin im Laufe ihres Berufslebens erarbeitet

·     Name der Krankengymnastikschülerinnen in Kiel war „Lubinen“; sie sollten schön und nett anzusehen sein und sie machen so ein bisschen was her...;

·     aus ärztlicher Sicht schien der Beruf Krankengymnastin eher im Bereich der Kosmetik als in der Medizin angesiedelt zu sein

·     die Ärzte haben keine Informationen, was der Beruf der Krankengymnastik alles beinhaltet, man wird als „Massagetante“ abgestempelt

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Tabelle 05 - Interview Gisela

5. Interview der Krankengymnastin Gisela, mittlere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 57 Jahre; Abitur, Eltern: Vater Lehrer, Mutter Hausfrau (Medizinerin)

·     verheiratet, zwei Kinder

·     nach dem Abitur Praktikum im Krankenhaus

·     1963-1965 Krankengymnastikschule Universität Frankfurt / Main, Schwerpunkt Orthopädie

·     seit 35 Jahren berufstätig

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     Hüpfen und Seilspringen, Rollschuhfahren, Federball

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     Beruf hat mit Bewegung tun, sonst keine genaueren Vorstellungen

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     wollte gerne etwas in der Kombination Sport und Medizin ausüben, arbeitete während des Praktikums im Turnsaal und auf einer orthopädischen Station

·     kam selbständig auf die Idee, Krankengymnastik zu lernen

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     eine Freundin lebte zu jener Zeit in Frankfurt, diese half bei den Anmeldungsformalitäten

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     der Schwerpunkt lag auf orthopädischen Krankheitsbildern und den entsprechenden krankengymnastischen Techniken

·     Klappsches Kriechen, klassische Gymnastik im Freien, Behandlungen mit Glisson-Schlinge und dem Perlschen Gerät, Elektrotherapie, Bäderabteilung, theoretischer Unterricht wurde dem praktischen untergeordnet, hatte das Gefühl als Arbeitskraft missbraucht zu werden

·     besonders interessant waren der Massage- und der Bindegewebsmassage - Unterricht

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     Arbeit in der Orthopädie und der Inneren Medizin in Tübingen

·     schon während des Praktikums selbstständige Einarbeit in die Problematik der Contergan-Kinder

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     vierjährige Arbeit mit den Contergan-Kindern; mit ihnen Alltagshandlungen erarbeiten z. B. wie können Füsse die Hände ersetzen; Fallen lernen, Umrollen lernen etc.

·     einen Zugang zu den Kindern über Märchen und Geschichten finden

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     1970 Wechsel der Arbeitsstelle von Tübingen nach Berlin aus privaten Gründen (wäre wohl sonst immer noch in Tübingen)

·     nächste Arbeitsstelle in einer orthopädischen Arztpraxis, Arbeitsort – Keller; hat ihre Arbeit sehr ernst genommen, immer eher länger gearbeitet

·     erste Schwangerschaft, nach dem Mutterschaftsurlaub Arbeit über das Gesundheitsamt – orthopädisches Turnen

·     Arbeit in unterschiedlichen Arzt- bzw. Krankengymnastikpraxen in Berlin

·     Ehemann fand Arbeit in Bremen, selbst Arbeitsstelle einer Kinderklinik in Bremen, zwei kleine Kinder

·     Schwerpunkte und Fortbildungen in den 80er Jahren: Atemtherapie, Behandlung von Mukoviszidose-Patienten, bei Kontrakturen und Verbrennungen, Bobath Therapie

·     die Fortbildungen konnten besucht werden, da Mann am Abendgymnasium arbeitete, und da Eltern und Freundinnen aushalfen

·     durch die Fortbildungen erfolgte keine Höhergruppierung im BAT, aber dieselbe BAT-Gruppierung seit 26 Jahren (BAT Vb)

·     Schwerpunkte und Fortbildungen der 90er Jahre: Intensivmedizin und Frühbehandlung bei Kindern, Atemtherapie, Behandlung von Kontrakturen und Verbrennungen, Feldenkrais Ausbildung

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     neurologische Therapie mit Kindern, gemeinsame neurologische Untersuchungen mit Kinderärzten in der Klinik

·     Schwerpunkte waren Diagnostik, Prävention und ambulante Betreuung von Kindern mit einer infantilen Cerebral Parese

·     Weiterbildung von Assistenzärzten, Ausbildung von KrankengymnastikschülerInnen

·     Privat- und Gruppenbehandlungen als Feldenkrais-Therapeutin

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     hat fortlaufend Veränderungen innerhalb ihrer Berufstätigkeit erfahren

·     findet das auch gut so, besonders dann, wenn sie die veränderten therapeutischen Techniken mit viel Phantasie selber gestalten kann

·     Schwerpunkt und veränderte Techniken betrafen die orthopädischen Techniken, die Arbeit mit den Contergan-Kindern, therapeutische Arbeit bei Verbrennungsfällen, die Kinderambulanz, die Intensivmedizin, Atemtherapie, die neurologischen Kinderbehandlungen

·     Bobath-Therapie, Feldenkrais-Therapie,

·     Wandel in der Therapie: weniger verbal als auch über Berührung verändernd einzugreifen, weniger mit den Händen verbessern, mehr pathologische Bewegungsabläufe zulassen, Vorschläge anbieten

·     eigene Bewegungsarbeit, der Bewegung innerhalb der Feldenkrais-Therapie nachzuspüren, wird als sehr befriedigend empfunden

·     besondere Sensibilität in den Händen entwickelt, mehr Gefühl für Leichtigkeit, braucht weniger Kraft

·     hat beruflichen Lernprozess auch immer als persönliche Bereicherung empfunden

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     besondere Freude an der Arbeit mit Kindern; dass Kinder besser im Leben zurecht kommen

·     die Arbeit mit sehr schwer erkrankten Kindern und deren Eltern, auch wenn es keine Erfolge gab

·     arbeitet gerne in der Atmosphäre eines Krankenhauses

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     fühlt sich von ihrer Ausbildung her nicht gut für den Beruf vorbereitet, sogar mangelhaft vorbereitet bezüglich der psychologischen, sozialen und fachlichen Anforderungen

·     anfangs fand sie die Bezahlung zufriedenstellend, später nicht mehr

·     gute Zusammenarbeit gab es mit den krankengymnastischen Kolleginnen, den Psychologinnen, Erzieherinnen und teilweise dem Pflegepersonal

·     Zusammenarbeit mit den Ärzten hing von den jeweiligen Personen ab

·     es wurden keine Aufstiegschancen angeboten, sie hat sich aber auch um keine bemüht

·     vom Ansehen her hat sie nun als Dienstälteste den sog. Altersbonus, versucht ihre Kolleginnen wenig hierarchisch zu behandeln

·     die Unterrichtstätigkeit an einer Krankengymnastikschule fand sie sehr anstrengend, insbesondere, Dinge zu unterrichten, die sie z. T. "nur" aus Büchern kannte

·     um sich berufspolitisch zu betätigen, fehlte die Zeit - Kinder, Haus, Berufstätigkeit und Fortbildungen sind Auslastung genug

·     hat sich früher in der Anti-AKW Bewegung engagiert

·     der Zentralverband Krankengymnastik war für sie kein Ansprechpartner, auch nicht bezüglich der Fortbildungen

·     liest regelmäßig die Krankengymnastikzeitung

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     die psychische Belastung, wenn ein Kind sehr schlecht dran war oder starb

·     das Gefühl, nicht gut genug behandelt zu haben

·     wenn die Therapie nicht die gewünschten Erfolge zeigt

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     für eine eigene Praxis gab es auf Grund der familiären Bedingungen nicht genügend freie zeitliche Kapazitäten

·     die Doppelbelastung Familie / Berufstätigkeit wird als schwer, als problematisch geschildert, besonders, wenn es darum geht, sich Zeit für Fortbildungen zu nehmen

·     es war für G. wichtig gewesen, immer berufstätig zu bleiben, sie hatte eine halbe Stelle, ihr Mann eine dreiviertel Stelle, bedeutete Karriereeinbußen für beide

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     ja, der Beruf passt sehr gut zu ihr

·     bewegt sich gerne und arbeitet gerne mit Menschen

·     findet es gut, manchmal auch langfristig mit den gleichen Personen zu arbeiten, vom Baby- bis zu Erwachsenenalter

·     der Beruf hat ihr gut gefallen, er stellt eine wichtige Erfahrung dar

·     Familie und Beruf ließen sich einigermaßen verbinden

·     erlebt ihre Arbeit als sehr befriedigend

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     eigene Perspektive, sie kann auch als Rentnerin noch private Behandlungen machen

·     schätzt allgemein die Perspektiven als ungünstig ein, was ist notwendig:

ú       die Ausbildung müsste unbedingt verbessert werden

ú       wissenschaftliches Arbeiten müsste ermöglicht werden

ú       Krankengymnastikausbildung sollte teilweise als universitäre Ausbildung ermöglicht werden

ú       Aufstiegschancen müssten verbessert werden

ú       finanzielle Entlohnung sollte angemessen sein

ú       Kosten für die Zusatzausbildungen sollten von den Arbeitgebern oder Krankenkassen honoriert werden

ú       Zusatzausbildungen sollten zum Teil in die Ausbildung integriert werden

·     findet die heutige Tendenz zur gerätegestützten medizinischen Trainingstherapie für sich nicht befriedigend

·     das Wissen, wie man berührt, was man fühlt, lernt man nur durch die Berührung

·     die Maschinen können Berührung nicht spüren, arbeiten mechanisch, dies entspricht nicht ihrem Verständnis von Körperarbeit

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Lust, Kontakt aufzunehmen

·     keine Scheu weder vor ungewöhnlichen Körpern noch vor Krankheiten

·     keine Angst davor, jemand anderen zu bewegen

·     keine Angst davor, jemanden zu bewegen, der sich nicht "normal" bewegt

·     kein enges Bild von Normalität zu haben

·     ganz viel über das eigene Körperbewusstsein zu lernen

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     Krankengymnastik und Physiotherapie ist der gleiche Beruf, Schwerpunkt liegt auf der Therapie mit Kranken, sekundär auf Körpertherapie

·     die Definition vom Heilhilfsberuf wird der Arbeit nicht gerecht

·     das Berufsbild müsste neu definiert werden

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Tabelle 06 - Interview Karin

6. Interview der Krankengymnastin Karin (mittlere Generation)

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 63 Jahre, mittlere Reife

·     direkt nach dem Realschulabschluss mit siebzehn Jahren Besuch der Krankengymnastikschule in Kiel

·     Schulbesuch von 1954-1956

·     verheiratet, ein Sohn

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     hat Leistungssport betrieben

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     eine Klassenkameradin schwärmte von dem Beruf, hatte sich bereits die Unterlagen schicken lassen

·     Vorstellung, dass die Arbeit variationsreich sei

·     wollte gerne mit Menschen und nicht mit Papier zu tun haben

·     wollte sich auch berufsmäßig bewegen, nicht den ganzen Tag sitzen

·     konnte sich gut vorstellen, mit kriegsverletzten und amputierten Menschen oder mit behinderten Kindern zu arbeiten

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     wäre gerne Sportlehrerin geworden, konnte sich die Ausübung im Alter nicht vorstellen

·     praktische Erwägungen spielten eine Rolle, z. B. kranke Leute gibt es immer; oder ich selbst habe was davon

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     Mutter setzte sich mit der nahegelegenen Krankengymnastikschule von Dr. Lubinus an dem Universitätsklinikum Kiel in Verbindung und setzte es durch, dass Karin aufgenommen wurde, obwohl sie erst siebzehn Jahre alt war

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Schule ist die älteste Einrichtung in Deutschland, waren sehr stolz darauf (beide Töchter des Sanitätsrates Lubinus waren Krankengymnastinnen)

·     Schwerpunkte waren Chirurgie und Orthopädie

·     die Ausbildung war unheimlich interessant

·     besondere Qualität hatten der Anatomieunterricht, die OP-Dienste und die Arztvisiten

·     dass im Rahmen der chirurgischen Krankheitsbilder so rasche Heilungserfolge erzielt werden konnten, war wunderbar

·     die technischen Möglichkeit der medizinischen Versorgung waren faszinierend, z.B. Knochennagelungen, Wundversorgungen

·     guter Unterricht auch in Kinderheilkunde, z. B. Bobath-Konzept, Techniken nach Neumann-Neurode, Glisson-Schlinge, Arbeit mit der schrägen Ebene

·     Unterricht auf allen med. Stationen; auch Anleitung im Zander-Saal, der nach schwedischem Vorbild eingerichtet war (die Geräte waren die Vorläufer heutiger Fitnessgeräte, nur aus Schmiedeeisen)

·     massieren und massiert werden waren sehr schön

·     wichtig das gemeinsame Erlebnis in Gruppen, die körperliche Freizügigkeit beim Umkleiden und Duschen

·     die erzwungene Nacktheit der Patienten im OP oder während der Visite wird als unangenehme Bloßstellung und als schockierend beschrieben

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     1956 erste Stelle in einer chirurgischen Praxis in Lübeck, viele OP-Nachbehandlungen - die Behandlungen erfolgten im Zwanzig-Minuten-Rhythmus

·     Durchlaufpatienten am Fliessband

·     versuchte, sich andere Behandlungszeiten und eine bessere Bezahlung zu erkämpfen, mit wenig Erfolg

·     Qualität der Arbeit litt an dem Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen der Patienten und den einzuhaltenden Zeiteinheiten

·     Die Ausbildung war wesentlich interessanter als die Arbeit, da der Mensch als Gesamtes, als eine Ganzheit betracht wurde. Bei der Arbeit wurde dann eher „der Fuß“ behandelt und weniger die Auswirkungen der Beschwerden auf den ganzen Körper.

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     fand sich in ihren Erwartungen an den Beruf an ihrer ersten Stelle in einer chirurgischen Praxis in Kiel sehr enttäuscht:

ú       nicht genügend Zeit pro Patient,

ú       der geforderte Umgang mit den Patienten entsprach nicht dem was sie gelernt hatten,

ú       die festgelegten Therapieabläufe und die Bezahlung waren sehr enttäuschend

·     die Freizeitgestaltung mit den Kolleginnen war besonders schön; durch die Freizeit waren die Lebensumstände befriedigend, im Sommer häufig mit Kolleginnen an die Ostsee getrampt oder Rad gefahren

·     die Arbeit an der Schule war sehr spannend, sie stellte sich gerne der Herausforderung

·     hat sehr gerne unterrichtet, sich eigene Skripte erarbeitet

·     unterrichtete Fächer: Chirurgie, Orthopädie, Bewegungslehre und Elektrotherapie

·     hat viele verschieden Fortbildungen mitgemacht, um qualifiziert unterrichten zu können

·     hospitierte in Berlin im Oskar-Helene-Heim, besonders interessant war die Skoliosenbehandlung ( Lehrkraft war Frau Martens, hatte selber eine Skoliose)

·     in Göttingen mit dem Schwerpunkt freie Haltungs- und Bewegungsschulung unabhängig von dem Krankheitsbild zu entwickeln (nach Frau Adda Kuhne, Frau Engeling)

·     hat in den Unterricht die eigenen Bewegungserfahrungen eingebracht

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     Tätigkeitsfelder:

ú       als Lehrkraft an Krankengymnastikschulen in Kiel und in München, Arbeit in ärztlichen Praxen, später eigene Praxis

ú       auf Nachfrage von der Lubinus Schule dann 1957 Übernahme von Unterrichtstätigkeit nach einem Jahr praktischer Tätigkeit, Lehrkraft in Kiel von 1958-1963

ú       Lehrkraft an der Münchener Schule von 1963-1967

ú       Unterrichtsschwerpunkte: Orthopädie, Chirurgie, Bewegungslehre, Elektrotherapie

·     Berufspause ca. sechs Jahre nach Schwangerschaft und großer Herzoperation

·     Wiedereinstieg in die Arbeit in einer ärztlichen Praxis

·     Umzug nach Oldenburg, Gründung einer eigenen Praxis, zuerst mit dem Schwerpunkt Allgemeinmedizin, später Kindertherapie

·     interessante Techniken aus der Bewegungslehre

·     hat für sich selbst und ihre Arbeit den Ansatz übernommen, nicht zu üben, sondern die Bewegung zu empfinden

·     fand Atemtherapie immer sehr spannend

·     PNF gelernt und gelehrt

·     Voijta Therapie, Arbeit nach Emmi Pickler

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     zur Unterrichtstätigkeit: Es war eine große Bandbreite an verschiedenen Unterrichtsfächern zu bewältigen. Der viele Stoff musste selbst erarbeitet, zusammengestellt und dokumentiert werden, da es keine krankengymnastische Lehrbücher, sondern nur Lehrbücher für Mediziner gab. Hat die Schülerinnen viele Protokolle schreiben lassen, sich gerne auf die Fragen eingelassen.

·     im Rahmen der Bewegungslehre sich auf eigene Erfahrungen aus dem Sport und der Gymnastik und auf das Beobachten-Können sich gestützt

·     hat neben dem Unterricht auch gerne mit Patienten gearbeitet; dass dabei kein Zeitdruck ausgeübt wurde, wird als eine sehr positive Erfahrung beschrieben

·     hat sehr gerne mit den Schülerinnen gearbeitet, obwohl es manchmal schwierig war, sie frei arbeiten zu lassen und dennoch zu kontrollieren

·     viel Vermittlungsarbeit zwischen Patienten, Ärzten und Schülerinnen

·     als Lehrkraft an der Münchner Krankengymnastikschule die Unterrichtsfächer Orthopädie und Bewegungslehre, gleichzeitig Betreuung der Patienten des Spastiker Zentrums

·     der Unterricht dort war noch sehr krankheitsorientiert, nicht ganzheitlich aufgebaut

·     Arbeit in der Innere Medizin, mit dem Schwerpunkt Atemtherapie, besonders nach der eigenen Herzoperation 1967

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     ihre Arbeit hat sich im Laufe ihres Berufslebens total verändert

·     die Entwicklung innerhalb der therapeutischen Arbeit verlief von einem eher technischen, an dem Krankheitsbild orientierten Therapie zu einem Ansatz, der sich an den Bedürfnissen des Patienten und seiner Umgebung orientiert

·     Änderung des eigenen therapeutischen, krankheitsorientierten Blickwinkels durch die eigene Operation, die Auseinandersetzung mit Leben und Sterben, hat sich nicht mehr so an Gesundheit geklammert

·     wichtig ist positives Lernen, im theoretischen und praktischen Unterricht und in der Vermittlung für den Patienten

·     wichtig ist menschlicher Kontakt, die Interaktion besonders auch über Berührung

·     bei Säuglingsbehandlungen ist die Elternarbeit das ausschlaggebende Moment

·     Kinder experimentieren lassen, sie nicht in den Mittelpunkt stellen, sie sollen sich die nächste Herausforderung selber suchen, Umgebungsgestaltung

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     die Selbstheilungskräfte der Patienten aktivieren

·     Elternbegleitung: macht den Müttern ihr Kind schmackhaft

·     Empfindung, dass Patienten, besonders auch Säuglinge, viel zurückgeben

·     von einer äußeren Arbeit mit den Körpern der Patienten zu einer bewegungstherapeutischen Arbeit, die auch einen inneren Prozess begleitet

·     empfindet das Vertrauen, das die Patienten ihr entgegenbringen, als ein Geschenk

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     in der Zeit an der Kieler Schule war es möglich, an vielen Fortbildungen teilzunehmen, da es von Seiten der Schulleitung finanziell gefördert wurde und man dazu freigestellt wurde, Bezahlung nach BAT IV, waren damals DM 580

·     an der Münchener Schule musste sie nicht so viel arbeiten, fand die Schule in Kiel qualitativ besser und von der Atmosphäre angenehmer (die Münchner Kolleginnen saßen auf einem hohen Ross, waren der Meinung, sie hätten die beste Schule in Deutschland)

·     besonders während der Krankheits- und Babypause hat sie an den fachlichen und berufspolitischen Auseinandersetzungen des Zentralverbandes teilgenommen

·     ist für den Vorstand des ZVK vorgeschlagen worden, ebenso für die Leitung der Münchener Krankengymnastikschule und für die redaktionelle Leitung der Krankengymnastikzeitung

·     viel ehrenamtliche Arbeit im ZVK, war ihr auf Grund der Berufstätigkeit ihres Mannes möglich

·     hat sehr viele Fortbildungen mitgemacht und organisiert

·     die Zeit, in der sie nicht berufstätig war, war eine sehr einsame Zeit, da sie keine Kolleginnen hatte

·     die Zusammenarbeit mit den Ärzten ist schlecht und unsolidarisch (sie haben keine Ahnung davon, was krankengymnastische Arbeit beinhaltet, schreiben die Verordnungen nach eigenem Gutdünken aus, haben Angst, regresspflichtig zu werden)

·     in den Praxen der meist männlichen Ergotherapeuten wird zunehmend häufiger die Arbeit von Krankengymnastinnen übernommen, sie können die gleiche Arbeit zu besseren Kassensätzen abrechnen

·     in der eigenen Praxis entscheidet sie selbstständig über die Zeiteinheiten pro Behandlung, sie behandelt nach den eigenen und den Bedürfnissen der Patienten, das bedeutet, die Behandlungen dauern länger als vorgesehen

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     am Anfang der Berufsausbildung, die für die Patienten unwürdigen Arztvisiten

·     ein großer Stressfaktor waren die Zeiteinheiten in den Praxen

·     dass es keine Unterrichtsbücher für den krankengymnastischen Unterricht gab

·     die Verantwortung für die Behandlungen der Schülerinnen zu tragen

·     die Abnahme der Staatsexamen, besonders bei nicht so guten Schülerinnen

·     die Abhängigkeit von arroganten, meist männlichen Ärzten

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     die Familie hatte vor der Berufstätigkeit Vorrang

·     die Ortswechsel Kiel mit München und München mit Oldenburg erfolgte auf Grund der Ausbildung und der Berufstätigkeit ihres Mannes

·     konnte während der Familienpause an Fortbildungen und an Verbandsarbeiten teilnehmen

·     ihr Mann unterstütze die Praxisgründung

·     Beruf war mehr Hobby, sie musste keine Familie ernähren

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     glaubt nicht, obwohl er sehr viel Freude bereitet hat

·     findet den Beruf Krankengymnastin wunderbar für eine Frau, für einen Mann ist der Beruf schwieriger, da man damit keine Familie ernähren kann

·     würde lieber studieren, um nicht mehr von Ärzten abhängig zu sein

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     sehr schlecht

·     Beruf befindet sich im Umbruch

·     Krankengymnastikpraxen befinden sich in einer existenziell bedrohlichen Krise

·     Bezahlung der Krankengymnastinnen ist nicht ausreichend

·     es wurden zu viele Krankengymnastinnen ausgebildet

·     die Qualität der Ausbildung müsste durch ein Studium angehoben werden, dann erfolgt eine bessere Einstufung

·     Berufspolitik liegt im argen, es wird nur nach Gutdünken der Ärzte verordnet

·     Ärzte schicken die Patienten auch nach Operationen ins Fitnesscenter

·     Krankengymnastinnen können sich nicht so gut wie z.B. die Ergotherapeuten vermarkten

·     Krankengymnastinnen sollten eine selbstständige, abrechenbare Diagnostikposition haben

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Angehende Krankengymnastin muss sich in Menschen hinein versetzen können

·     Kontaktfreude, optimistische Ausstrahlung haben, Stehvermögen haben

·     Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, ruhig und gelassen sein

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     mit der Bezeichnung Heilhilfsberuf kann aus unserem Beruf ja nichts werden

·     es wurde eine Verbandmutter gesucht

·     kein Männerberuf, damit kann man keine Familie ernähren

·     wichtig waren die Gemeinsamkeiten mit den Kolleginnen

·     mit dem Zwanzig-Minuten-Rhythmus konnte man ja nicht mal in Ruhe zur Toilette gehen

·     Durchlaufpatienten am Fließband

·     man musste ja nur so ungefähr die Hand anlegen, da haben sie schon ihr ganzes Leben erzählt

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Tabelle 07 - Interview Gabriele

7. Interview der Krankengymnastin, Gabriele, mittlere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 58 Jahre

·     vor dem Abitur abgegangen

·     1962-1964 Krankengymnastikschule in Kiel

·     wurde durch ihr Elternhaus, besonders durch den Vater zu einer politischen Bürgerin erzogen; hat in der Friedensbewegung aktiv mitgearbeitet, war für sie lebensnotwendig

·     heute unterstützt sie die Obdachlosenarbeit

·     war verheiratet, hat zwei Töchter

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     hat sich als Kind sehr gerne bewegt, besondere Zuneigung zum Tanz

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     ist durch Erzählungen mit dem Berufsbild bekannt geworden

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     wollte gerne etwas mit Bewegung und mit Menschen zu tun haben

·     wollte nicht studieren, erschien ihr zu viel Leistungsdruck

·     wollte nicht im Büro sitzen

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     war die Schule, an der sie zuerst aufgenommen wurde

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Schwerpunkte: Chirurgie, Orthopädie

·     Die Möglichkeiten, therapeutisch im Bereich der Chirurgie zu arbeiten, haben sie immer besonders interessiert. Es war möglich, schnell Veränderungen, Verbesserungen zu erzielen, und rasch zu Erfolgen zu kommen.

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     Berufspraktikum in Bremen, in einem allgemeinen Krankenhaus in Bremen

·     Arbeit auf der Inneren Medizin und der Chirurgie

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

Tonband hat nicht aufgezeichnet

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     vier Jahre Arbeit in der Klinik

·     anschließend sechs Jahre Babypause

·     1979 Praxisgründung, immer selbstständig gearbeitet, wollte alles selber organisieren und bestimmen

·     arbeitet vorzugsweise alleine, genießt ihre kleine Praxis

·     Wenn es möglich wäre, würde sie seit dem 55. Lebensjahr in Rente sein. Sie ist sehr berufsmüde, würde aber gerne etwas anderes machen, z. B. an die Hochschule gehen.

·     Arbeitsschwerpunkte: allgemeine Krankengymnastik vorzugsweise im chirurgischen und orthopädischen Bereich,

·     hat sehr gerne manuell gearbeitet, mit allen Techniken, die dem Muskelaufbau, der muskulären Balance dienen

·     hat sich sehr breit über unterschiedliche krankengymnastische Techniken (Cyriax, Bobath, Voijta, Feldenkrais ) informiert; ganze Zusatzausbildungen zu machen, war viel zu teuer, stand nicht im Verhältnis zum Einkommen einer Selbstständigen

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     Schwerpunkt Handchirurgie, betreut gerne schwierige, komplizierte Fälle

·     Arbeit mit Schlaganfallpatienten, Patienten mit Bandscheibenvorfällen, Patienten mit Tennis­ellenbogen, Schmerzpatienten

·     findet es wichtig, die Selbstheilungskräfte der Patienten zu mobilisieren, die Hilfsrufe der Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern zu erkennen

·     Nach ihrem Verständnis produzieren einerseits die Gesellschaft, andererseits die Medizindiagnostik verschiedene Krankheitsbilder. So behandelte sie vor zwanzig Jahren häufig Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäulen. Seit zehn Jahren überwiegen Bandscheibenvorfälle im Halswirbelsäulenbereich. Zur Zeit hat sie sehr viele Patienten mit Karpaltunnelsyndrom.

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     Es gibt in der Krankengymnastik viele Spezialisierungen, die sehr zeit- und kostenintensiv sind. Die krankengymnastischen Techniken haben sich nur zum Teil verändert, gehören oft eigentlich zur Grundausbildung, werden manchmal nur unter neuen Namen vorgestellt.

·     medizinische Trainingstherapie ist als Therapieform und Einkommensquelle im Vormarsch

·     Krankengymnastik ist eine umfassende Arbeit, die auf einer guten Kommunikation zwischen Therapeutin und Patient basiert

·     findet die manuelle Arbeit direkt an der Muskulatur sehr wichtig; faßt Patienten gerne an; hat viel Kraft, die sie gerne in den Behandlungen einsetzt

·     bewegt sich viel mit Patienten; ihr eigenes Bewegungsbedürfnis dagegen ist heute in den Hintergrund getreten

·     arbeitet kaum mit Geräten; findet den manuellen Kontakt innerhalb der Behandlung wesentlich, um einen Heilungsprozess anzubahnen

·     Krankengymnastik ist körperlich eine anstrengende Arbeit, psychisch nicht

·     nimmt die Patienten sehr ernst, gibt sich ganz in Behandlungen hinein, hat Vertrauen zu den Patienten

·     Balance in der therapeutischen Arbeit, die Krise zwischen Schmerzen und Veränderung des Bewegungsverhaltens bei Patienten begleiten

·     behandelt nur Patienten, mit denen sie gerne arbeitet

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     Erfolgreiche Arbeit mit Patienten, die von Ärzten oder Kolleginnen als „austherapiert“ erklärt wurden

·     hat Spaß am Anfassen, am Be-handeln; hat keine Hemmungen, Patienten anzufassen

·     Patienten bewundern ihre schönen Hände und ihren guten Griff

·     Findet krankengymnastische Arbeit künstlerisch: die Erfassung ( An-fassen ) der Einmaligkeit des Menschen und dementsprechend ein individuelles therapeutisches Angebot zu entwickeln

·     die Schulung der Intuition, das Wissen über Berührung, das Erfassen des Körpers

·     der direkte Kontakt mit Patienten

·     wenn sie im Vergleich mit Kolleginnen feststellt, wie gut sie arbeitet, die Sicherheit und Erfahrung ihrer langjährigen Tätigkeit

·     eine schöne Umgebung für die Patienten zu schaffen, sich Zeit zu nehmen

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     direkter guter telefonischer Kontakt zu den mitbehandelnden Ärzten; sie bekommt die Informationen, die Verordnungen, die sie braucht

·     Zusammenarbeit mit den Ergotherapeutinnen und Logopädinnen weniger nötig; findet, daß Elemente jener Arbeit früher im Rahmen der krankengymnastischen Arbeit sinnvoll integriert waren

·     die zeitliche Organisation der Praxisarbeit hat sich in den letzten zehn Jahren wesentlich erhöht, ohne ein finanzielle Aufwandsentschädigung

·     kann ihre Praxisabrechnung im Gegensatz zu früher, als sie diese selbst erledigte, nur noch über ein Abrechnungsinstitut machen

·     kann nur einen geringen Teil der Positionen abrechnen, da es ihr zu teuer war, bestimmte Zertifikate zu erwerben

·     hat sich manchmal an den Treffen es Landesverbandes Krankengymnastik beteiligt

·     ist verärgert über die hohe Mitgliedsbeiträge

·     findet sich bei Problemen und Fragestellungen durch die Berufsorganisation nicht unterstützt

·     liest die Krankengymnastik Zeitung nicht mehr, findet sie zu verwissenschaftlicht, an den Bedürfnissen der Praxis vorbei geschrieben

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     die körperliche Anstrengung acht Stunden am Tag ist viel zu viel - ist die Hölle

·     die große Konzentration, ähnlich wie bei Lehrern

·     arbeitet nicht nach den zeitlichen Vorgaben den Krankenkassen; dadurch ist der Verdienst geringer, dies bedeutet längere Arbeitszeiten

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     war immer ihre „eigene“ Frau, ganz wichtig war die Selbstständigkeit

·     die Familie, die eigenen Kinder standen im Vordergrund

·     hatte bei ihrer Berufstätigkeit Unterstützung durch den Mann

·     die Arbeitszeiten wurden den Erfordernissen der Familie angepasst

·     Arbeit und Beruf ließen sich gut verbinden

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     findet ihre Arbeit spannend , hat Spaß daran; die Arbeit ist faszinierend, ist kreativ und künstlerisch

·     lieber eine gestaltende künstlerische manuelle Arbeit

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     die Perspektiven werden schlechter, vermehrte technische Behandlungen an den Geräten

·     Patienten müssen für sich alleine sorgen

·     Qualitätseinbußen durch verkürzte Zeiteinheiten pro Behandlung

·     Qualitätseinbußen durch mangelndes Erfahrungswissen; die krankengymnastischen Techniken des Anfassens bilden sich bei jungen Kolleginnen nur mangelhaft aus, wenn sie vorwiegend an Geräten arbeiten

·     das Behandeln, das Sich-Einfühlen, das Wissen, dass die Krankheit jedes Patient individuell erschlossen werden muss, geht verloren

·     Qualitätseinbußen durch falsch verstandene Verwissenschaftlichung

·     Krankengymnastik ist eine kostendämpfender Beruf, in dem nicht angemessen bezahlt wir

·     Krankengymnastinnen haben keine Lobby

·     Krankengymnastik ist wichtig, z. B. wenn nach Operationen keine Krankengymnastik erfolgt, ist der langfristige Erfolg der Operationen in Frage gestellt

·     seit der Budgetierung im Gesundheitswesen wird weniger Krankengymnastik verschrieben

·     die Behandlung bei Privatpatienten nehmen zu, da sie nicht eingeschränkt werden

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Liebe zu Menschen

·     Sportlichkeit

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     der Beruf genießt großes Ansehen bei den Patienten, bei den Ärzten genießt er nur zum Teil Ansehen

·     die Berufsbezeichnung Physiotherapeutin ist nicht stimmig für sie, Patienten können damit nichts anfangen

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Tabelle 08 - Interview Alice

8. Interview der Krankengymnastin Alice, jüngere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     Alter: 25 Jahre, Abitur, lebt mit ihrem Freund in der gemeinsamen Wohnung

·     Krankengymnastik Schule der Bremer Heimstiftung, Pionierkurs von 1996-1999

·     neue dreijährige Ausbildung ohne Berufpraktikum

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     ist eher ein „Sportmuffel“, Bewegung war nie ihre Sache

·     durch den Besuch der Waldorf-Schule große Erfahrungen mit Eurythmie und Eutonie, hat zur Schulung ihres Körperbewusstseins beigetragen

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     hat ab dem 16.Lebensjahr freiwillig in Behinderteneinrichtungen gearbeitet und dort Krankengymnastinnen bei ihrer Arbeit beobachtet

·     besonders hat ihr der Umgang der Krankengymnastinnen mit den Patienten gefallen

·     Es hat sie nicht gestört, dass manchmal nur minimale Fortschritte bei der Arbeit zu erzielen sind.

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     Alice wollte eigentlich Medizin oder Jura studieren

·     Vater ist Mediziner, Neurologe; er hält viel von der Arbeit der Krankengymnastinnen

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     über den Vater; dieser hat den Tipp von der Gründung der Bremer Schule erhalten

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     Der theoretische Teil des Unterrichts war besonders interessant.

·     Die Anleitungen während der verschiedenen Praktika waren nicht besonders gut; dort konnten sie das, was sie im Unterricht lernten, nicht umsetzen.

·     Pädiatrie und Neurologie waren besonders interessante Fächer, Innere Medizin und Orthopädie gefielen ihr weniger

·     von den krankengymnastischen Techniken fand sie PNF, Bobath, Voijta und allg. Bewegungslehre gut

·     wurden für die Arbeit mit medizinischen Trainingsgeräten ausgebildet

·     wollte am Ende der Ausbildung den Beruf aufgeben, war vom Praktikum frustriert

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     das Berufspraktikum war bereits abgeschafft, die Ausbildung dauerte drei Jahre

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     in einer Praxis wollte sie auf keinen Fall arbeiten und dachte, es gäbe keine Stellen mehr in einer Einrichtung

·     wollte nicht die Massenabfertigung und den Zeitdruck, dem man bei der Arbeit in einer Praxis ausgesetzt ist

·     hatte zwei Angebote, in einer Praxis zu arbeiten, hatte sich aber noch zusätzlich als Familienhelferin beworben

·     möchte nach drei Jahren Berufserfahrung einen anderen Beruf ergreifen

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     hat mit viel Glück eine Stelle als Schwangerschaftsvertretung in einer Schule für Körperbehinderte gefunden

·     ist seit achtzehn Monaten Jahren berufstätig

·     ihre Arbeit mit den Kindern gefällt ihr gut, sie ist frei in der Wahl ihrer therapeutischen Ansätze

·     die Arbeit ist sehr vielseitig

·     kennt sich gut mit der orthopädischen Hilfsmittelversorgung aus

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     arbeitet mit schwerst-mehrfachbehinderten Kindern und Heranwachsenden

·     arbeitet in der Geriatrie

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     bevorzugt Behandlungstechniken, bei denen der ganze Mensch einbezogen wird

·     hat keine Lust zur Arbeit mit medizinischen Trainingsgeräten

·     arbeitet gerne mit den krankengymnastischen Techniken der Beobachtung (Diagnostik), des Anfassens und Fühlens (Palpation)

·     hat im Laufe ihrer Arbeitszeit die Techniken des Spürens wesentlich besser erlernt

·     findet die Achtsamkeit bei der körperlichen Interaktion mit den Patienten sehr wichtig (versucht, nicht übergriffig zu sein)

·     wandelt die Techniken, die sie gelernt hat, für ihre Arbeit ab

·     wichtig ist ihr der Zugang zu den Patienten

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     Wenn sie von den Patienten Anerkennung bekommt, macht ihr der Beruf viel Spaß.

·     wenn sich die Patienten auf die gemeinsame Arbeit einlassen

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     mit vielen Ärzten ist keine Zusammenarbeit möglich („wir sind Luft für sie“)

·     Krankengymnastik wird von Ärzten und Schwestern aus Unwissenheit oft nicht anerkannt

·     die Lehrer in der Schule für Körperbehinderte schätzen ihre Arbeit

·     mit vielen Eltern, auch mit den Kolleginnen ist eine gute Zusammenarbeit möglich

·     sie organisieren die Hilfsmittelversorgung für die Patienten, schreiben Berichte für die Kassen

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     Die Arbeit ist sehr anstrengend.

·     Der körperliche Einsatz ist hoch, z. B. erwachsene Patienten alleine zu heben, aus den Rollstühlen zu holen etc.

·     Es ist schwierig, die Patienten immer wieder zu motivieren.

·     Man braucht viel Geduld bei der Arbeit mit schwerst-mehrfach behinderten Patienten; oft kann man nur Verschlechterungstendenzen entgegenwirken.

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     lebt mit ihrem Freund zusammen, kann sich dadurch eine Wohnung leisten, hat kein Auto

·     möchte gerne später Familie und Beruf verbinden, mit der Arbeit in einer Praxis wäre das ihrer Ansicht nach nicht möglich

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     es ist kein Beruf, den sie bis zum 65. Lebensjahr ausüben möchte

·     die Berufsausübung macht Spaß, leider mangelnde Anerkennung

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     nicht gut, findet die Perspektiven frustrierend

·     Krankengymnastik ist ein qualifizierter Beruf, leider wird er nur wenig respektiert

·     viele Arzte, Schwestern und auch Patienten wissen nichts über die Arbeit von Krankengymnastinnen

·     Oft wird Krankengymnastik als Dienstleistungsarbeit gesehen, die Arbeit hat zu funktionieren, der Einsatz wird als selbstverständlich gesehen, die Mühe und der Aufwand der hinter einer qualifizierten Arbeit steht wird nicht geachtet.

·     Es werden immer weniger Behandlungen verordnet.

·     Der Beruf hat ein sehr geringes Ansehen.

·     Die Entlohnung ist nicht angemessen.

·     Es gibt einen Mangel an guten Arbeitsstellen.

·     Es gibt mehr Krankengymnastinnen als Arbeitsstellen.

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Menschenkenntnis, Geduld und Ruhe

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     Ideen zur Veränderung der Ausbildung:

ú       es sollten nicht so viele Themen während er Ausbildung angeschnitten werden; lieber weniger Themen und diese vertiefen

ú       Die Gewichtung und die Schnittstellen des theoretischen und praktischen Unterrichtes sollte neu überdacht werden.

ú       Es müsste Unterricht über die Organisation des Sozialsystems, über Organisationsplanung, betriebswirtschaftliche Belange, den Umgang mit Behörden und Krankenkassen geben.

·     Ideen zur Berufpolitik:

ú       Die Öffentlichkeitsarbeit der Zentralverbandes für Physiotherapie ist unzureichend, die inhaltliche Arbeit wird nach außen zu wenig dargestellt (dadurch wird man als Handlanger betrachtet)

ú       findet die Berufbezeichnung Physiotherapeutin für die Öffentlichkeit irreführend

·     Private Einschätzungen:

ú       möchte nicht ihr ganzes Leben beruflich mit Krankheiten und dem medizinischen Betrieb zu tun haben

ú       möchte sich nicht der irrsinnigen Arbeitsbelastung in einer freien Praxis aussetzen

ú       die Arbeit soll auch Spaß machen, ohne diesen würde ihr das Geld auch nichts nützen

ú       findet die mangelnde Wertschätzung der Arbeit sehr problematisch, z. B. werden die Krankengymnastinnen als Knetmäuschen bezeichnet

ú       in der Arbeit stellt man sich mit den Händen, dem eigenen Körper, seiner gesamten Person zur Verfügung; es ist wichtig; dabei Abstand zu halten; dies ist manchmal besonders für männliche Patienten schwierig

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Tabelle 09 - Interview Cornelia

9. Interview der Krankengymnastin Cornelia , jüngere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     23 Jahre, Abitur, hat während der Ausbildung bei den Eltern gewohnt

·     Krankengymnastikschule von 1996-1999 in Bremen

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     hat als Kind mit viel Spaß zehn Jahre lang rhythmische Sportgymnastik und klassisches Ballett gemacht

·     hat dies sehr gerne auch als Leistungssport mit der Teilnahme an vielen Wettkämpfen betrieben

·     Wettspiele waren nichts für sie

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     durch Erzählungen einer Cousine, die Krankengymnastin war, konnte sie sich Einiges unter dem Beruf vorstellen

·     wollte gerne mit Körperbeherrschung und Bewegung zu tun haben

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     hatte lange Zeit den Wunsch, Krankengymnastin zu werden; die Eltern waren damit einverstanden und finanzierten die Ausbildung

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     ausschlaggebend waren finanzielle Erwägungen und dass sie während des Schulbesuches zu Hause wohnen konnte

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     der Bewegungsanteil des praktischen Unterrichts war ihr zu wenig, zu wenig Schulung der Körperbeherrschung im Sinne der Eleganz

·     die Fächer Bewegungsanalyse, Biomechanik und Trainingslehre fand sie interessant

·     der theoretische Unterricht der Ärzte war sehr gut

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     war schon abgeschafft

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

 

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     hätte gerne in den Bereichen Kinderheilkunde oder Neurologie in einer Klinik gearbeitet, leider ging es aus gesundheitlichen Gründen nicht

·     hat in einer ambulanten Praxis im Bereich der Orthopädie gearbeitet

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     hat hauptsächlich orthopädisch / chirurgische Patienten behandelt, Patienten mit Rückenproblemen, Behandlungen nach Bandscheiben-Operationen, Nachbehandlungen nach Hüft- oder Knieoperationen, bei Schleudertrauma, manchmal Patienten mit Schlaganfällen

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     hat kein Problem damit, die Leute zu berühren

·     spürt, wenn es für die Patienten in Ordnung ist, berührt zu werden

·     arbeitet gerne an der Bewegungsharmonie

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     hat sich gerne mit den Patienten unterhalten

·     sieht es als eine Herausforderung für sich, die Patienten wieder psychisch aufzubauen

·     einen Umschwung zu erzielen, deren Zustand zu verbessern

·     etwas Gutes tun

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     hat gut mit ihren Kollegen zusammengearbeitet

·     die Zusammenarbeit mit der Chefin war schwierig

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     manchmal war die Begleitung der Patienten sehr anstrengend

·     das Arbeitsklima war sehr schlecht

·     die Verbindung zwischen Arbeit und der eigenen Erkrankung war manchmal schwierig

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

·     lebt alleine

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     ja, auf jeden Fall

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

·     auch in Fitness Studios könnte es berufliche Perspektiven für Krankengymnastinnen geben

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     man muss mit Menschen umgehen können

·     ein Gespür für Bewegung haben

·     Menschenkenntnis besitzen

·     eine Begabung für diesen Beruf haben

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     hätte die Arbeit in einer Klinik bevorzugt

·     1999 haben von 24 Absolventen der Krankengymnastikschule 20 Kollegen gleich eine Stelle bekommen

·     findet medizinische Trainingsgeräte nur als Zuatzunterstützung zu Krankengymnastik sinnvoll

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Tabelle 10 - Interview Tina

10. Interview der Krankengymnastin Tina, jüngere Generation

 

Bereich

Frage

Antworten

 

Angaben zur Interview­partnerin

Alter, Schulabschluss,
Zeitpunkt, Ort und Dauer der Berufsausbildung / Krankengymnastikschule

·     26 Jahre, Abitur, lebt in eigener Wohnung

·     Krankengymnastikschule in Münster 1994 -1996

A

Fragen zur Psycho- und Soziogenese

1.       Welche Art von Spielen, insbesondere Bewegungsspiele haben Sie als Kind gerne gespielt?

·     hat sich schon immer gerne bewegt

·     ist als Kind gerne geklettert und hat gerne geturnt

·     Schwimmen, Laufen, Tanzen, Improvisationstanz

·     ist viel geritten; hat voltigieren gelernt

2.       Welche Erfahrungen, Vorstellungen hatten sie vor Ihrer Berufsausbildung vom Beruf der Krankengymnastin?

·     wollte immer Masseurin werden

·     ist als Jugendliche wegen einer Ischialgie krankengymnastisch behandelt worden; hat von sich aus angefangen, Übungen in ihren Alltag zu übernehmen

·     hätte gerne Pädagogik studiert und dann im Bereich der Heilpädagogik behinderte Kinder im Reiten unterrichtet

3.       Wie kam es zu Ihrer Berufswahl ?

·     ihre Sportlehrerin bestärkte sie in der Berufswahl

4.       Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre zukünftige Krankengymnastikschule aus?

·     es gab in Münster eine sehr schöne neue Krankengymnastikschule

·     das Aufnahmegespräch ist sehr gut gelaufen

5.       Wie war die Zeit an der Krankengymnastikschule, welche Ausrichtung, welche Schwerpunkte hatte Ihre Ausbildung?
Welche Fachgebiete waren besonders interessant für Sie?

·     hat während der Ausbildung sehr gerne massiert; es gab wenig Berührungsängste mit den Mitschülern (sie waren ein Kuschelkurs)

6.       An welchem Ort und mit welcher Ausrichtung absolvierten Sie Ihr Berufspraktikum?

·     1997, in einem großen Bremer Krankenhaus

·     Bereich der Inneren Medizin mit dem Schwerpunkt Intensivmedizin, Orthopädie und Neurologie

7.       Welche besonderen Erlebnisse gab es in Ihrer frühen Berufstätigkeit als Krankengymnastin?

·     sich von sehr schwerbetroffenen Patienten abzugrenzen z. B. Tumorpatienten (war fix und fertig, stand zwei Tage neben mir)

·     es ist sehr belastend, wenn Kinder sterben

·     Intensivmedizin war körperlich und psychisch „sehr heftig“, die Zusammenarbeit mit den Kollegen war sehr schön und locker

8.       Zur Arbeitslebenbiographie: Welche Arbeitsschwerpunkte haben sich für Sie ergeben, welche Arbeitsstellen?
Welche Zusatzqualifikationen haben Sie erworben?

·     Arbeit in der Inneren Medizin, Intensivmedizin

·     wegen ihrer Erfahrungen mit der Atemtherapie bekam sie zunächst eine halbe Stelle in Kinderklinik und arbeitete zusätzlich in einer allgemeinen Praxis

·     Ausbildung in der Atemtherapie, Mucoviszidosebehandlung

·     Kenntnisse über die mit Feldenkraisbehandlungen, Bobaththerapie, Basale Stimmulation

B

Vorstellungen und Phantasien zu Körperbildern, Krankheitsbildern und Behandlungstechniken

9.       Welche Patienten, welche Krankheitsbilder haben Sie besonders beeindruckt? Ergaben sich für Sie im Laufe der Zeit besondere Behandlungsschwerpunkte?

·     die Arbeit mit den Mukoviszidose Patienten macht viel Spaß; neben der Atemtherapie springt sie mit den Patienten Trampolin, spielt mit ihnen Tennis

·     arbeitet sehr gerne mit Kindern und Säuglingen

10.    Welche Gewichtungen, welche Veränderungen innerhalb der krankengymnastischen Techniken haben Sie erlebt? Wie war für Sie der körperliche Umgang mit den Patienten, bezüglich Bewegung, Berührung, Hände- und Körperkontakt?

·     findet das Massieren nicht so anstrengend, da sie sich dabei entspannen kann

·     findet, dass sie heilende Hände hat

·     arbeitet mit den Energien der Patienten

·     spürt, wo sie bei Patienten zum Durchbruch kommen kann

·     kann sich gut in Patienten einfühlen

·     lernt, sich vom Leid der Patienten durch bestimmte Rituale abzugrenzen (abschütteln, Hände besonders gut waschen)

·     bewegt sich gerne mit den Patienten zusammen

·     hat bei der Arbeit mit Kindern gelernt, geduldig zu werden

·     hatte am Anfang ihrer Tätigkeit keinen Blick für Probleme, für Auffälligkeiten; sie konnte keinen Unterschied z. B. bei der Bewegungsqualität erkennen; alle Säuglinge sahen gleich für sie aus

·     anfangs klammert man sich an die Techniken, die man gelernt hat, man macht so einen Standard

11.    In welchen Situationen hat Ihnen Ihr Beruf besondere Freude bereitet?

·     arbeitet sehr gerne mit Kindern, zieht eine hohe persönliche Befriedigung daraus

·     hat immer sehr gerne mit der Atemtherapie gearbeitet; empfindet das als eine sehr intensive Arbeit; diese Arbeit wird immer interessanter, je länger man sich damit beschäftigt

·     Die Behandlung von Säuglingen von drogenabhängigen Müttern ist für sie besonders beeindruckend. Diesen Kindern Ruhe und Entspannung zu vermitteln, stellt hohe Anforderungen an die therapeutischen Fähigkeiten.

C

Fragen zu Berufslage, zur Berufsprofession

12.    Wie gestaltete sich der organisatorische Anteil Ihrer Arbeit? Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen?

·     die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Intensivmedizin, auch mit dem Pflegepersonal und den Ärzten war sehr schön, haben viel Blödsinn zusammen gemacht

13.    Welchen besonders großen Belastungen waren Sie ausgesetzt?

·     Die psychische Belastung auf der Intensivstation war besonders belastend (oft junge Patienten, Unfallopfer, „die von der Strasse gekratzt worden waren“, völlig „zerquetsche Menschen, die nur noch an Schläuchen hingen“ , Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, Komapatienten)

·     Die Arbeit auf der Intensivstation ist besonders anspruchsvoll und anstrengend; man muss die eigene Arbeit sehr genau überprüfen, auf die oft sehr feinen Reaktionen der Patienten achten und damit arbeiten.

14.    Wie ließen sich Beruf und Familie / Kinder miteinander verbinden?

 

15.    Würden Sie den Beruf wieder ergreifen?

·     möchte gerne später studieren, z. B. Geisteswissenschaften, oder noch mal etwas anderes lernen, nicht unbedingt als Beruf

16.    Wie schätzen Sie die heutigen Perspektiven im Beruf ein?

 

D

Persönliche Einschätzung des Berufes

17.    Ihre Tochter / Sohn möchte KrankengymnastIn / PhysiotherpeutIn werden. Welche Hauptmerkmale würden sie dem Beruf zuschreiben, welche persönlichen Fähigkeiten sind Voraussetzung für diesen Beruf?

·     Tastsinn, Fingerspitzengefühl, Intuition, Ahnung von Psychologie; die Fähigkeit, sich von den Patienten abgrenzen zu können

 

Weitere wichtige Aussagen

 

·     Man muss selber beweglich bleiben, um andere in Bewegung zu bringen.

·     Patienten müssen das Prinzip der ihnen heilsamen Bewegung erlernen, um sich selber helfen zu können.

·     Wenn man wenig Wissen hat, kann man die Qualität der Arbeit nicht erkennen, und dann macht die Arbeit auch keinen Spaß.

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Stand: 16.04.2012