Fortbildungstagung vom 13. bis 15. Mai 2010 in Saarbrücken
Das Bobath-Konzept
Komplexität und Evidenzbasierung
Eine Tagung für Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Pädiater,
Allgemeinmediziner, Geriater, Pflegende und andere Berufe, die mit der Förderung
von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsauffälligkeiten sowie in der
Rehabilitation von Patienten mit neurologischen Erscheinungsbildern tätig sind.
Therapeutische Praxis und die Forderung nach Evidenz
Unter "Evidenzbasierung" wird die Beurteilung verstanden, ob bestimmte
medizinische Verfahren eine statistisch hohe Wahrscheinlichkeit voraussagen
lassen, dass ein indiziertes Vorgehen – Medikament, Physiotherapie, Operation –
einen nachhaltigen Effekt hat. Sie ist seit einigen Jahren im Gesundheitswesen
ein beherrschendes Thema. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die
Evidenzbasierung sich nicht so sehr auf die Wirksamkeit eines therapeutischen
Vorgehens bezieht als vielmehr auf Parameter, die eher ökonomisch als
medizinisch aufbereitet werden.
Gezielte Studien zum Praxisbetrieb verstärken den gegenwärtigen
Wissenschaftstrend zum Messbaren und Machbaren. Dabei bleiben jedoch
Lebensqualität und biographische Medizin auf der Strecke. Wenn Menschen mit
Krankheiten oder Behinderungen als Kostenfaktor gesehen werden, bedrohen
Nützlichkeitstreben und Effizienz den Zusammenhalt der Gesellschaft. Mit der in
den letzten Jahren voran getriebenen Qualitätssteigerung der therapeutischen und
medizinischen Dokumentation und Berichterstattung sollen aussagekräftige
Begründungszusammenhänge gesichert werden. Diese Bestrebungen werden jedoch von
der Evidenzbasierung als Budgetbegrenzungsmerkmal inhaltlich konterkariert.
Das Bobath-Konzept ist zwar neurologisch begründet aber dennoch ein
übergreifendes Konzept. Es bearbeitet medizinisch-biologische,
pädagogisch-psychologische und sozial-umweltbezogene (Teilhabe-)Probleme in
integrierter Weise. Dies erklärt seine Schwierigkeiten, das therapeutische
Vorgehen ausschließlich medizinisch (externe Evidenz) zu begründen.
In der therapeutischen Praxis haben sich Befunde und Berichte auf der
Grundlage der ICF bewährt. Konkrete "smarte" Zielformulierung und die Anwendung
des Goal-Attainment-Scaling ermöglichen innerhalb der Bobath-Therapie
evidenzbasierte Physiotherapie (EBP). Als Musterbeispiele für "clinical
reasoning" werden Abschlussarbeiten von Bobath-Grundkursen betrachtet.
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